Die Rechte der Chronik liegen bei Alfons Cotting!

Die Ära Erwin Neuhaus (1957-1993)

1957 fand wohl eine der wichtigsten Wachtablösungen in der Geschichte der Dirigenten statt. Eine Epoche, die 36 Jahre lang währte. Ja, der junge, erstklassige Bläser, Erwin Neuhaus, mit dem man schon vor drei Jahren liebäugelte, liess sich überreden, die musikalische Leitung der Musikgesellschaft zu übernehmen. Doch zu Beginn hatte Erwin Neuhaus nicht im geringsten die Absicht, den Taktstock zu übernehmen. Er widersetzte und sträubte sich vehement diesem Vorhaben, musste sich aber, wohl oder übel, dem diktatorischen Befehl seines Vaters: «du giisch, ù fertig» beugen und besuchte 1954-55 den ersten Dirigentenkurs unter der Leitung von Remo Boggio in Freiburg.

Erwin Neuhaus wurde am 1. Oktober 1933 geboren, und er ist der Sohn des früheren Präsidenten und Bäckermeisters Bernhard Neuhaus. Dem Erwin wurde das Musiktalent im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt. Schon früh übte er sich auf den Blasmusikinstrumenten. Zu Beginn der Mobilmachung, als General Guisan durch unser Dorf zog und einen kurzen Halt einlegte, stieg er als 6jähriges munteres Kerlchen auf die Friedhofsmauer und spielte vor dem General die Landeshymne.
Doch kommen wir auf seine Dirigententätigkeit zurück!
Am 16. Juli 1957 fand die Taktstockübergabe statt. Erwin übernahm den Dirigentenstab von Moritz Schmutz. Der neue Dirigent nahm die Zügel straff in die Hand. Er bildete sich auch weiter aus und hat am Musikkonservatorium Freiburg unter seinem Lehrer und väterlichen Freund Professor Philippe Jules Godard sämtliche Prüfungen mit höchster Auszeichnung bestanden. Glücklich eine Gesellschaft, die einen Leiter von diesem Format bekommt! So war es nichtverwunderlich, dass bald auch die Stadtmusik von Bulle auf den dynamischen jungen Sensler aufmerksam wurde. Als Nachfolger von Professor Godard übernahm er denn auch die Leitung dieses Korps, welches er während 11 Jahren dirigierte und welches er auf ein hohes Niveau brachte.
Während seiner 36-jährigen Tätigkeit als Dirigent hat unsere Musikgesellschaft einen gewaltigen Wandel mitgemacht. Lassen wir nun die wichtigsten Begebenheiten oder Streiflichter an unserem geistigen Auge vorüberziehen und lassen wir uns in schönen Erinnerungen schwelgen:

1960
Kantonales Musikfest in Freiburg
Die Gesellschaft nahm erstmals in der 2. Stärkeklasse an einem kantonalen Musikfest teil. Als Wettstück wurde die Ouverture von Ph. J. Godard «Les Gauvis» und als Wettmarsch «The Midi» aufgeführt.

1963
Bezirksmusikfest in Wünnewil
Wettstück: «Ouverture pour la fête des Brandons», von Ph. J. Godard. Wettmarsch: «Arc-en-ciel», von Guido Anklin. Hier trat die Gesellschaft erstmals in kleiner Harmoniebesetzung mit Klarinetten, Saxophon und Querflöte auf. 1963 war für unsere Gesellschaft ein Trauerjahr, mussten wir doch Abschied nehmen von 2 markanten Persönlichkeiten, die unseren Verein geprägt haben, nämlich am 2. März von Arnold Jungo, langjähriger Kassier, und am 10. September von Bernhard Neuhaus, langjähriger Präsident.

1965
Kantonales Musikfest in Bulle
Unsere Gesellschaft nahm wieder in der 2. Stärkeklasse teil. Erstmals in der Geschichte der Musikfeste wurde ein Aufgabenstück eingeführt. Mit dem Selbstwahlstück «Ouverture Philadelphique» von P. Gilson, dem Aufgabenstück «La Veillée des Armes», von Ph. J. Godard und dem Wettmarsch «Fliegermarsch», von Walter Schild bot unser Verein eine aussergewöhnliche Leistung, welche auch im Expertenbericht entsprechend gewürdigt wurde.

1966
Max Cotting, neuer Präsident
Die Generalversammlung von 1966 wählte Max Cotting zu ihrem neuen Präsidenten, nachdem Emil Schafer seine Demission eingereicht hatte. Max führte den Verein souverän und er war ein Präsident, welcher stets um Aufrichtigkeit und Zielstrebigkeit bedacht war. Als Dank für seine geleisteten Dienste hat ihn die Musikgesellschaft später zu ihrem Ehrenpräsidenten ernannt.

1966
Eidgenössisches Musikfest in Aarau Auch hier trat die Gesellschaft in der 2. Stärkeklasse an. Selbstwahlstück war das «Gotthard-Präludium» von H. Käch, und als Aufgabestück diente das «Poème et Fugue» von J. Daetwyler.

1968
Bezirksmusikfest in St. Antoni
Hier trat die Gesellschaft erstmals öffentlich in der 1. Stärkeklasse auf. Als Wettstück diente die «Konzert-Rhapsodie» von J. Daetwyler.

1969
Tod unseres Ehrendirigenten Josef Kolly Am 15. Januar begleiteten wir mit dem Trauermarsch «Ich hatt einen Kameraden» unseren Ehrendirigenten Josef Kolly zu seiner letzten Ruhestätte. Sein Andenken wird jedem Musikanten in dankbarer Erinnerung bleiben.

1970
Kantonales Musikfest in Düdingen
Die Musikgesellschaft konkurierte in der 1. Stärkeklasse, führte aber das Höchstklasswerk «Der Dämon», eine symphonische Studie von Paul Huber, welche-gleichzeitig ein Kompositionsauftrag des Eidgenössischen Musikverbandes war, auf. Aufgabestück war die «Konzert-Rhapsodie» von J. Daetwyler. Diese beiden Werke stellten grösste Anforderungen an die Musikanten, und der Expertenbericht beglückwünschte den Dirigenten und die Musikanten zu ihrer Leistung. In Düdingen war die Giffersmusik Gesprächsstoff Nr. 1, und unser Erwin soll als grösster und schönster Dirigent gegolten haben.

1972
75jähriges Jubiläum
Am 9./10. und 11. Juni 1972 feierte die Musikgesellschaft ihr 75jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass erschien eine von Otto Hayoz verfasste Festschrift.

1973
Bezirksmusikfest in Plaffeien
Wettstück: «King Orry», von H. Wood Wettmarsch «Festparade», von Hans Müller

1975
Kantonales Musikfest in Romont
Auch hier nahm unsere Musikgesellschaft in der 1. Stärkeklasse teil. Aufgeführt wurden: Selbstwahlstück: «Rhapsodische Ouverture», von M. Poot, Aufgabestück. «Capricio Sinfonico», von R. Blum. Wettmarsch «Salut à Bruxelles», von Hans Heusser.

1976
Ferdinand Zosso wird neuer Präsident. Nach 10 jähriger Tätigkeit ist Max Cotting vom Präsidentenamt zurückgetreten und an der Generalversammlung vom 9. Januar 1976 wurde Ferdinand Zosso als neuer Präsident gewählt. Ferdinand hat eine enorme Führungsarbeit geleistet, und er war auch ein einmaliger Organisator von Festlichkeiten und Reisen. Für all seine uneigennützig geleisteten Dienste sei ihm hier der beste Dank ausgesprochen.

1978
Bezirksmusikfest in Flamatt
Wettstück: «Heroische Rhapsodie», von Franz Königshofer. Wettmarsch: «Maple Leaf Rag March», von Scott Joplin.

1978
Unsere Gesellschaft nimmt an den Festlichkeiten «175 Jahre Stadtmusik Bulle» teil. 1978 war zugleich der Abschied von Erwin Neuhaus als Dirigent dieser Stadtmusik.

1979
Uniformenbazar und Musiktreffen
Die 1965 angeschaffte schwarze Uniform, welche anderorts manchmal als «Totengräberkleidung» belächelt wurde, hattte langsam ausgedient, und man ging ans Planen einer neuen Uniform. Aus gegebenem Anlass wurde 1979 ein grosser Uniformenbazar durchgeführt und gleichzeitig fand das Oberländer Musiktreffen statt, an welchem die Gesellschaften Rechthalten, Brünisried, Plaffeien, Plasselb, St. Silvester und Giffers sowie der Spielmanns- und Fanfarenzug aus Ronneburg teilnahmen.

1980
Kantonales Musikfest in Treyvaux
Wie gewohnt trat die Musikgesellschaft auch hier in der 1. Stärkeklasse auf. Als Selbstwahlstück wurde die «Heroische Rhapsodie» von Franz Königshofer und als Aufgabestück die Auftragskomposition «Hockey» von Oscar Moret aufgeführt. In der Marschmusik warteten wir mit einem Novum auf, nämlich mit der Eigenkomposition unseres Dirigenten Erwin Neuhaus «D'Harzner mit Schneid». Die Punktezahl ergab 334 für die beiden Wettstücke und 39 für den Marsch. Für den Gesamtchor erhielt unser Dirigent den ehrenvollen Auftrag, einen Festmarsch zu komponieren. Dieser entstand dann unter dem Titel «Berra 1980».

1981
Die erste Schallplattenaufnahme
An der Jahresversammlung vom 23. Januar 1981 wurde beschlossen, eine Langspielplatte zu bespielen. Die Aufnahmen fanden am 20. und 21. Juni 1981 in Basel statt.

1982
Eine seltene Ehrung
Für ihre 50jährige musikalische Tätigkeit durften die Gebrüder Josef, Felix und Emil Schafer zu goldenen Veteranen erkoren werden und die Goldmedaille des Kantonalverbandes in Empfang nehmen. Herzliche Gratulation und ... Hut ab vor solch einer Leistung.

1983
Bezirksmusikfest in Heitenried
Wettstück: «Quo Vadis», von D. Rimmer Wettmarsch: «Frei wie der Adler», von H. Steinbeck1983Unsere Gesellschaft hatte die Ehre, die Veteranentagung Deutschfreiburg durchzuführen. (16. Oktober 1983)

1985
Fernsehaufnahmen
Im Rahmen der Sendereihe «Concours MusiCHa» durfte die Musikgesellschaft am 18. Mai 1985 das von Marius Schneuwly komponierte Stück «Die Sage von der Entstehung des Schwarzsees» im Schweizer Fernsehen aufnehmen.

1985
Kantonales Musikfest in Murten
Auch an diesem Musikfest trat die Musikgesellschaft in der 1. Stärkeklasse auf. Auf dem Spielplan stand das Selbstwahlstück «New Orleans» von M. Boeckel und das Aufgabenstück «Triptique» von Jacques Aeby.

1986
Tod des Ehrenpräsidenten Emil Schafer Am 28. März 1986 ist unser lieber Ehrenpräsident und Aktivmitglied Emil Schafer von uns gegangen. Gross waren seine Verdienste, und wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

1988
Bezirksmusikfest in Rechthalten
Wettstück: «Jubilée Ouverture», von Ph. Spark.
Wettmarsch: «Vo Gränche, bigott,.». von W. Schild

1989
Oberländertreffen
Wiederum fiel der Musikgesellschaft die Ehre zu, das Oberländertreffen zu organisieren und durchzuführen, dies an den Gestaden der Aergera.

1990
Kantonales Musikfest in Marly
Wiederum in der 1. Klasse musizierend führten wir folgende Stücke auf: als Selbstwahlstück «Portraits of a Band», als Aufgabestück «Little Suite» und als Wettmarsch «Vo Gränche, bigott».

1991
Bernhard Fontana, der neue Präsident
Ferdinand Zosso hat sein Präsidentenamt nach 15jähriger Tätigkeit zur Verfügung gestellt. An der Generalversammlung vom 26. Januar 1991 wurde Bernhard Fontana zum neuen Präsidenten gewählt. mit grossem Elan und immenser Schaffenskraft führte er das Vereinsschifflein.

1991
Tod des Vizedirigenten Moritz Cotting
Nach einem langen Leidensweg ist am 18. November 1991 Moritz Cotting vom Schöpfer in die ewige Heimat abberufen worden. Moritz war langjähriges Aktivmitglied und Vizedirigent. Er war aber auch Komponist, Volksmusikant und Kirchenmusiker. Worte über warum und aber wären hier fehl am Platz. Man kann nur an das Lied denken. «Ich hatt' einen Kameraden, einen besseren findst Du nicht.»

1992
Der bevorstehende Dirigentenwechsel
An der Jahresversammlung vom 18. Januar 1992 wurde die Musikgesellschaft mit der Demission des langjährigen und verdienten Dirigenten Erwin Neuhaus konfrontiert. Da er sein Dirigentenamt an Fronleichnam 1993 niederlegen wollte, wurde am 13. Mai 1992 eine ausserordentliche Versammlung abgehalten, um einen Nachfolger zu wählen. Glücklich, in den eigenen Reihen einen jungen und fähigen Mann zu wissen, der das nötige musikalische Rüstzeug mitbringt, wurde Roland Schafer einstimmig zum neuen Dirigenten der Musikgesellschaft Giffers gewählt.

1993
An der Jahresversammlung vom 16. Januar 1993 wurde Erwin Neuhaus zum Ehrendirigenten ernannt, und als Zeichen der Anerkennung wurde er mit einem neuen Flügelhom, seinem Lieblingsinstrument, beschenkt.

1993
Bezirksmusikfest in Überstorf
Wettstück. «Three Fragments for Band», von H. Kuwahara Wettmarsch: «Check Point», von R. Beck

1993
Fronleichnam - letzter Auftritt unter Erwin Neuhaus
An der Fronleichnamsprozession (10. Juni 1993) hat Erwin Neuhaus zum letzten Mal den Taktstock seiner Musikgesellschaft geschwungen. An der anschliessenden Feierwurde er offiziell als Dirigent verabschiedet und als Bekundung des Endes der Dirigentenlaufbahn hat er seinen Taktstock verbrannt. Sogleich erfolgte die Amtsübergabe an Roland Schafer
Nach 96 Jahren in der Vereinsgeschichte, oder nach 36 Jahren seit dem letzten Dirigentenwechsel, ist eine weitere Ära, die Ära Erwin Neuhaus zu Ende gegangen Ja, 36 Jahre Erwin Neuhaus! Diese bedeuten Fleiss, Ausdauer und Aufopferung zum Wohle seiner Giffersmusik. All seine Leistungen im einzelnen aufzählen zu wollen wäre müssig und würde wohl den Rahmen sprengen. Eines jedoch darf und muss hier gesagt werden : Erwin, Du warst ein guter und vorzüglicher Dirigent, ein Dirigent, der es verstanden hat, den Musikanten und Musikantinnen das bestmögliche Rüstzeug mitzugeben, sie zu begeistern und zu motivieren. Du hast die Musikgesellschaft Giffers von der kleinen Dorfmusik zum stattlichen 1.-Klasse-Musikkorps geführt, ein Korps, welches sich unter Deiner Führung stets weiterentwickeln und steigern konnte. Die vielen Erfolge anlässlich der besuchten Musikfeste geben Zeugnis davon. Du warst und bist einer von uns, einer, der unsere Sprache spricht, eine Sprache, die an Deutlichkeit nichts übrig lässt und die man versteht. Hab Dank für alles, was Du für unsere Giffersmusik, für unser kulturelles Leben in den beiden Gemeinden Giffers und Tentlingen geleistet hast.
Mit seiner Demission als Musikdirigent hat Erwin nicht etwa die Flinte ins Korn geworfen und der Musikgesel Ischaft Giffers den Rücken gekehrt. Nein, im Gegenteil. Er ist schlicht und einfach ins Glied zurückgetreten und spielt dort sein Lieblingsinstrument, das 1. Flügelhorn. Er ist halt ein Harzner, einer mit Schneid, einer der gerne klebt.