Die Rechte der Chronik liegen bei Alfons Cotting!

Die Ära Josef Kolly (1925-1957)

Die Giffersmusik ist Waise geworden, wer soll nun wohl die musikalische Leitung übernehmen? Eine bange Frage! Mit dem Mute der Verzweiflung ung wurde Ausschau nach einem neuen Mann gehalten, und - man wurde fündig! Da war ein gewisser junger Josef Kolly in den eigenen Reihen mit ausgezeichneten musikalischen Kenntnissen. Nur ungern liess sich dieser Mann zur Übernahme des Dirigentenstabes überreden, doch schlussendlich sagte er doch zu. Am 26. Februar 1925 wurde er einstimmig und zur grössten Freude aller zum neuen Dirigenten der Musikgesellschaft Giffers gewählt. Ja, da war er nun, der Josef Kolly, geboren am 5. Oktober 1896, Sohn des ehrenwerten Schmiedemeisters Blasius Kolly. Schon bald merkte die Gesellschaft, dass sie eine äusserst glückliche Wahl getroffen hatte, und es wehte bald ein anderer Wind in den Reihen.

Am 20. März 1930 verliess Josef Kolly für ein Jahr seine ihm liebgewordene Musik, um sich im Neuenburgischen zum Uhrmacher ausbilden zu lassen. Während dieser Zeit haben Bernhard «Natti sel.» Neuhaus und Lehrer Aerschmann aus St. Antoni die Proben abgehalten. Mit Lehrer Aerschmann war das so eine Sache: er verlangte als Entlöhnung Fr. 5.- pro Probe und Fr. 2.- als Reiseentschädigung. Doch schon bald sagte er, dass der Arzt ihm das Motorfahren verboten habe und dass ihm der Verein halt die Autofahrten bezahlen soll. Mit Lehrer Aerschmann nahm die Musikgesellschaft am 31. Mai 1931 am Bezirksmusikfest in Heitenried teil. Sie spielten das Stück «Die vier Menschenalter» von Méhul. Dies war der letzte Auftritt unter der Leitung von Lehrer Aerschmann, denn am Fest selber spielte bereits wieder Josef Kolly mit, welcher kurz vorher in sein Heimatdorf zurückgezogen war und anschliessend wiederum die musikalische Leitung übernommen hat.
Verweilen wir nun ein bisschen und lassen vor unserem geistigen Auge kurz die verschiedenen Stationen der Ära Josef Kolly Revue passieren!

1929, Dezember, Tod von Martin Vonlanthen
In einem alten Protokollbuch steht geschrieben: An diesem Datum ist der vielverdiente Gründer und erster Dirigent des Musikvereins, Herrn Martin Vonlanthen im Alter von 77 Jahren gestorben, und am 14. Dezember unter sehr grosser Anteilnahme beerdigt worden. Unter den wehmütigen Klängen des Ordonanz-Trauermarsches nahmen die Musikanten Abschied von ihrem lieben Gründungsvater.

1933 
Präsidentenwechsel
Auf Josef Bapst folgt Alois Rumo.

1935
26. Mai: Teilnahme am Bezirksmusiktag in Rösingen mit dem Wettstück «Regina», von Rossini.

1937
23. Mai: Bezirksmusiktag in Plaffeien. Wettstück: «Ouverture zum Märchen», von Amon.

1939
Ausbruch des 2. Weltkrieges. Trotz Mobilmachung wurden die Proben nie für längere Zeit eingestellt.

1942
Am 8. September wird Bernhard Neuhaus Präsident.

Lasst uns hier einen kurzen Halt machen und an dieser Stelle dem lieben «Natti» ein Wort des Dankes widmen! Natti war Musikant aus innerster Überzeugung, für seine Giffersmusik wurde er wohl sein letztes Hemd hergegeben haben. Wie oft hat er durch sein originelles Eingreifen mit den markanten Worten «ihr cheibe Halungge, bliibet doch dahiim» Streitigkeiten aus dem Wege geräumt und seinen Musikkameraden durch seinen köstlichen Humor heitere Stunden verschafft. Er war gar ein geselliger Mensch, knüpfte Freundschaftsbande mit anderen Gesellschaften und organisierte unzählige Bergfahrten und Ausflüge, so unter anderem auch die originelle Reise nach Leuk, wo für unsere Musikanten ein grosser Empfang hätte stattfinden sollen, wo aber keine Maus aufwartete und wo schlussendlich im Hotel «Stroh» übernachtet werden musste. Die grösste Freude und Genugtuung hat er wohl erleben dürfen, als sein Sohn Erwin Dirigent «seiner» Gesellschaft wurde.
Das Präsidentenamt hat er bis 1956 innegehabt.

1944 
9. Juli: Musiktag in Tafers.
Teilnahme mit dem Stück «Maientag», eine Ouverture von Florian Forster.

1947
Am 21. Februar 1947 verstarb der verdiente Fähnrich Tobias Zbinden. Am 11. März 1947 wird Alfons Hayoz zum neuen Fähnrich gewählt.

1947 
50jähriges Jubiläum
Am 6. Juli 1947 durfte die Gesellschaft das 50-jährige Jubiläum feiern. Am Festzug wurden die beiden noch lebenden Gründungsmitglieder Bernhard Vonlanthen und Johann Neuhaus in einer Kutsche mitgeführt. Als Festmusik konnte die «Landwehr» aus Freiburg gewonnen werden. Das Urteil dieses Tages lautete: «Alles war schön, alles war gediegen».

1948
30. Mai: Bezirksmusikfest in Alterswil. Wettmarsch «Der Grenze zu» und Wettstück «An Mozart», Ouvertüre von Karl Schell.

1953
Teilnahme am Eidgenössischen Musikfest in Freiburg
Die Teilnahme am Eidg. Musikfest in Freiburg vom 10.-13. Juli 1953 war sicher ein Markstein für die Gesellschaft, war es doch das erste Mal, dass sie an einem «Eidgenössischen» teilnahm. Es war sicher eine unendliche Herausforderung, und man war bestrebt, das Können des unermüdlichen Dirigenten und der Musikanten in einem Kräftemessen unter Beweis zu stellen. Unsere Gesellschaft konkurrierte in der 3. Stärkeklasse mit der sinfonischen Skizze von Stephan Jäggi «Im Frühjahr». Dies war ein Stück, welches damals, und sicher heute noch, grosse Anforderungen an die Musikanten stellt. Der schaffensfreuclige Dirigent Josef Kolly liess sich hier allerdings auf keine Gradwanderung ein, und er scheute sich auch nicht, den Komponisten Stephan Jäggi persönlich zu einer Probe einzuladen. Dies hat sicherlich seine Früchte gezeigt, denn die Giffersmusik schloss mit dem Prädikat «sehr gut» und mit Goldlorbeer ab. Grund zu berechtigtem Stolz, und ein heute prominenter Bundesrat würde damals ausgerufen haben: «Freude herrscht».

Dirigent Josef Kolly war nicht der Mann, der auf seinen Lorbeeren ausruhte. Nein, unermüdlich arbeitete er weiter, obwohl er sich heimlich bereits mit Rücktrittsgedanken beschäftigte. Leider wurde dies Tatsache, denn am 28. Septemboer 1954 fand eine ausserordentliche Generalversammlung statt, nachdem Josef Kolfy nach 40jähriger musikalischer Tätigkeit, wovon 25 Jahre als Dirigent, seine Demission eingereicht hat. Wiederum ist eine Ära zu Ende gegangen, eine Ära, weiche durch eine grosse Schaffenskraft und durch eine gewaltige Steigerung des musikalischen Niveaus geprägt ist. Dies ist vorab das Verdienst des unermüdlichen Dirigenten Josef Kolly und wir möchten es nicht unterlassen, ihm übers Grab hinaus unsere tiefempfundene Dankbarkeit und Wertschätzung zu erweisen. Er hat ein gut fundiertes Erbe hinterlassen, welches er getrost in jüngere Hände legen durfte.
Moritz Schmutz, interimistischer LeiterWiederum stellte sich die bange Frage: Wo sollen wir nur einen neuen Dirigenten hernehmen? Bereits damals wurde in den eigenen Reihen mit einem jungen erstklassigen Bläser als möglicher Nachfolger geliebäugelt. Dieser fühlte sich jedoch noch zu jung; seine Zeit war noch nicht gekommen! Sein Name sei hier noch nicht verraten; davon später.
In liebenswürdiger Weise stellte sich Moritz Schmutz im Herbst 1954 zur Verfügung, um die musikalische Leitung vorübergehend zu übernehmen. Moritz Schmutz war Dirigent der Musikgesellschaft Düdingen, Organist und Musiklehrer an den Düdinger Schulen. Er war stets, und blieb es auch bis zu seinem Tod 1996, ein lieber Freund der Giffersmusikanten. Auch er hat es verstanden, die Musikanten zu motivieren und das Niveau der Gesellschaft zu prägen. Mit ihm zusammen zu musizieren sei für die Musikanten eine wahre Freude gewesen.
Ihm sei an dieser Stelle der herzlichste Dank ausgesprochen. In der Epoche Schmutz seien folgende Punkte hervorgehoben:

1956
Emil Schafer wird neuer Präsident

1956 hat Bernhard Neuhaus sein Präsidentenamt zur Verfügung gestellt, und einstimmig ist Emil Schafer zum neuen Präsidenten gewählt worden. Emil war stets der ruhende Pol in der Gesellschaft. Sein bedachtes Wort, seine ruhige und liebenswürdige Art sowie seine Offenheit haben unendlich viel dazu beigetragen, den Verein in gutem Einklang zusammenzuhalten. Emil war Präsident bis 1966. Für seine uneigennützige Arbeit zum Wohle der Musikgesellschaft, sei ihm der beste Dank ausgesprochen.

1957
Bezirksmusikfest in Giffers
1957 fiel der Musikgesellschaft Giffers die Ehre zu, das Bezirksmusikfest züi organisieren. Unter der Leitung von Moritz Schmutz spielte sie das Wettstück: «Le Cortège d'Attila», von Gadenne. In seinem Expertenbericht schrieb Herr Remo Boggio folgendes: «Wenn so gut gespielt wird, dann ist es eine Freude, Experte zu sein. Das erlebte Fest in Giffers gab mir Anlass, viel Erfreuliches zu melden. Vorerst herrschte eine ausgezeichnete Organisation, die in allen Teilen Mustergültiges leistete und dem Festort zur Ehre gereichte. Ein Musiktag, auf den der Verband des Sensebezirks stolz sein kann».

Dies war der Abschluss der Tätigkeit von Moritz Schmutz als Dirigent unserer Musikgesellschaft. Als Dankbarkeit für die geleisteten Dienste hat ihn die Musikgesellschaft Giffers zu ihrem Ehrenmitglied ernannt.