Die Rechte der Chronik liegen bei Alfons Cotting!

Martin und Bernhard Vonlanthen (1897-1925)

Martin Vonlanthen, geboren am 3.1.1853 – der kleine Mann mit dem grossen Herzen

Ja, so wurde er genannt, der Hauptinitiant, welcher 1. Dirigent und zugleich 1. Präsident war. Weder Zeitaufwand noch persönliche finanzielle Opfer konnten ihn vor dem Wagnis, eine Dorfmusik zu gründen, zurückschrecken. Die ersten Musikanten, denen er vorstand, waren wohl seine fünf Söhne. Leider findet man in der spärlichen nachträglichen Aufzeichnungen keine Namen der anderen Gründungsmitglieder. Von einem aber weiss man mit Sicherheit, dass er dabei war: Johann Neuhaus, im Volksmund „Rutsch-Hanseli“ genannt. Der Verein schien anfangs gut zu gedeihen, denn in der ersten vorhandenen Schrift heisst es: Das Unternehmen war in vollem Gange, dies zur Freude der ganzen Pfarrei und besonders der jungen Gesellschaft.  Reminiszenzen zur Folge soll Märtelis Aufforderung zum Spiel, resp. Kommando, jeweils wie folgt gelautet haben: Manne, nämet öuwer Tschiggle (Musikinstrumente), achtung, prett (bereit) Doch schon bald rückten schwere und trübe Zeiten an. Schwere persönliche Schicksalsschläge suchten den Meister, wie Martin von de  Musikanten genannt wurde, heim. So der Tod des ältesten Sohnes und eine schwere und unheilbare Krankheit der Gattin. Je mehr sich der leidgeprüfte Mann von der Gesellschaft abwandte, desto mehr schien sie dem Untergang geweiht zu sein. Spöttisch wurde die Musikgesellschaft gar als Dorftanzmusik betitelt. Sollte das bereits alles gewesen sein? Nein und nochmals nein!

Bernhard Vonlanthen

Bernhard Vonlanthen, geboren am 13.6.1882, neuer Dirigent – Retter in der Not
Im Jahre 1900 übernahm der Sohn des 1. Dirigenten, Bernhard Vonlanthen, welcher eigentlich Lehrer hätte werden sollen, das Zepter und somit den damals  musikalisch maroden Verein. Neues Leben entstand. Die zersplitterten Überreste der serbelnden Dorfmusik wurden zu einer Versammlung einberufen, neue Mitglieder wurden aufgenommen und die „neue Musik“ zählte schon bald 20 Mitglieder Es herrschte in der Folge ein guter Geist, und die vorhandenen Schriften wissen von vielen amüsanten Begebenheiten zu berichten. An allen kirchlichen und weltlichen Festen liess es sich die Musikgesellschaft nicht nehmen, diese mit ihrem Spiel zu verschönern. Doch schon bald folgten wieder neue Rückschläge. Die Gründe waren mannigfaltiger Art. In den ersten Jahren waren die Präsidentenwechsel sehr rege. Vater Vonlanthen wurde durch Theophil Poncet, dieser wiederum durch Johann-Josef Aeby ersetzt. Wie ein Gespenst tauchte schon bald die bange Frage auf: werden wir durchhalten?

Die Wende
Die eigentliche Wende brachte das Jahr 1910. Der Pfarreirat nahm nun die ganze Angelegenheit in die Hand. Pfarrer Peter Zumwald und Pfarreipräsident Peter Gremaud waren die treibenden Kräfte dazu. Am 1. April 1910 fand eine Versammlung statt und es wurde ein neuer Vorstand bestellt. Mit frischem Mut durfte die Musikgesellschaft in die Zukunft schauen. Erstmals findet sich in einem alten Protokollbuch ein Mitgliederverzeichnis.

1910 Die erste Uniform
Im Jahre 1910 wurde die Anschaffung einer Uniform erörtert – ein Wagnis sondergleichen! Die „Union Instrumentale“ in Freiburg hatte eine solche günstig abzugeben. Nach längeren Verhandlungen mit diesem Verein wurde der Kauf getätigt. 30 noch gut erhaltene Uniformen wurden angeschafft und kosteten Fr. 670.--. Als Gegenleistung gab die „Union Instrumentale“ ein Konzert in Giffers. Am Weissen Sonntag, 1. hl. Kommunion, trat die Musikgesellschaft erstmals in Uniform vor die Öffentlichkeit. Ein wahrlicher Freudentag!

1911 Kantonales Musikfest in Murten
In einer alten Schrift war zu lesen: Das wichtigste und grösste Jahr für die Musikgesellschaft war wohl das Jahr 1911 – Kantonales Musikfest in Murten. Erstmals in ihrer Geschichte nahm die Gesellschaft an einem solchen Fest teil. Mit ihrem Wettstück „Mignonette“ von Bauman erzielte sie einen vollen Erfolg. Im selben Jahr trat die Musikgesellschaft in den Kantonalverband freiburgischer Musikvereine ein, dies als 3. Sektion der Sense.

1913 – 1922 Rege Präsidentenwechsel
Die Jahre des ersten Weltkrieges gingen auch hier nicht spurlos vorüber. Bedingt durch häufige Abwesenheit wegen Vaterlandspflichten war die Vereinstätigkeit in dieser Zeit oft lahm gelegt. Die Proben fanden nicht mehr regelmässig statt. Dabei traten interne Reibereien auf, welche dem Verein schadeten und bedingte Wechsel im Vorstand verursachten. Nach Johann-Josef Aeby folgten als Präsidenten: 1913 Ludwig Philipona, 1915 Franz Bapst, 1917 Eduard Vonlanthen, 1919 Josef Kolly, 1822 Josef Bapst, welcher dann die Vereinsleitung bis 1933 innehatte.

1923 Die zweite Uniform
Die Musikgesellschaft Giffers hatte 1923 die Gelegenheit, von der Musikgesellschaft Romanshorn Occasions-Uniformen zum Preise von Fr. 1'100.-- zu übernehmen. Da die Vereinskasse nur Fr. 400.-- zur Verfügung hatte, ging man die Raiffeisenkasse um ein Darlehen an, und Peter Gremaud wurde als Bürge angefragt. „Ich will die 600 Franken lieber grad geben, später müsste ich sie doch gleich zahlen“ so seine liebenswürdige Antwort.

1924 Die erste Fahne
Am 14. Januar 1924 wurde mit der Firma Karer-Schaedler aus Will ein Vertrag zur Lieferung des ersten Banners abgeschlossen. Die Fahnenweihe fand am 1. Juni 1924 statt.  Der Preis der Fahne betrug Fr. 725.--  und an Vergabungen wurde der stolze Betrag von Fr. 1'115.--  eingenommen. Fahnenpaten waren  Herr und Frau Greber, Patensektion der Cäcilienverein Giffers. Über das Konzert, welches die Gesellschaft bei diesem Anlass gab, heisst es im Protokoll: Noch kaum einmal war unser Verein musikalisch so tüchtig.

1925 Ende der Ära Vonlanthen – Abschied
Am 6. Februar 1925 legte Bernhard Vonlanthen infolge Wegzugs nach Tafers den Dirigentenstab nieder. Die Ära Vonlanthen ist zu Ende gegangen und der Verein ist Waise geworden. Bernhard Vonlanthen hat während seiner 20-jährigen Tätigkeit als Dirigent grosse Verdienste erworben, und sein unermüdliches Schaffen war doch wegweisend für die Zukunft. Versetzt man sich in die damalige schwierige und mühselige Zeit zurück, muss man doch sagen: „Dä Maa het wirklich a huuffe gleischtet“. Gerne werden wir uns seiner in Dankbarkeit erinnern.